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Kreativ bis ins hohe Alter 06.11.2019

Zum 50-jährigen Jubiläum der Lebenshilfe Neumarkt e.V. feiert der Träger ebenso das 10-jährige Bestehen der Seniorentagesbetreuung. Passend dazu zieht die Tagesstätte für erwachsene Menschen nach dem Erwerbsleben in neue und größere Räumlichkeiten. Da der demografische Wandel auch bei Menschen mit Einschränkungen Einzug hält, ist dies der nächste logische Schritt. Die neuen Räumlichkeiten in der Nürnberger Straße sind größer, altersgerecht ausgestattet und mit notwendigen Funktionsräumen, wie z.B. zwei Ruheräumen, einem Musikraum oder einem Mehrzweckraum. Unverändert bleibt das vielseitige Programm, welches werktags von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und Freitag bis 14 Uhr stattfindet. Dies reicht vom gemeinsamen Musizieren, über das Nostalgie Café, bis zu Kreativangeboten.

Seit Oktober 2018 begleiten Frau Margarita Strena und Frau Verena Stoiber ein besonders hervorzuhebendes Projekt im Bereich kreatives Gestalten. Die beiden haben Bildende Kunst und Ästhetische Erziehung an der Universität Regensburg studiert. Während Fr. Strena das Studium im Master fortsetzt, studiert Fr. Stoiber ergänzend Soziale Arbeit und möchte sich in Richtung Kunsttherapie orientieren. Als Motivation und Antrieb für diese Tätigkeit benennen die zwei jungen Damen die sozialen Aspekte der Kunstvermittlung. Die Gespräche mit den Senioren während der Kreativstunde werden von den Beiden als Bereicherung gesehen und es wird eine aufgeschlossene Atmosphäre erlebt. Die Heterogenität der Gruppe sehen sie dabei als eine anregende Herausforderung in Bezug auf die Erarbeitung von Lehr- und Lernkonzepten. Mit anschaulichen Techniken werden zusammen mit den Senioren ästhetische Ergebnisse geschaffen.

„Wir möchten den Menschen mittels einer ressourcenorientieren Auswahl von Techniken eigene Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Die Teilnehmer sollen zur Auseinandersetzung mit bestimmten Gestaltungsfragen eingeladen werden. Durch ausgewählte Methodik wird dabei der bildnerischen Aktivität ein Rahmen gegeben.“ – so fassen die beiden Studentinnen ihre Arbeit zusammen.

In den einzelnen Stunden werden verschiedene Themen behandelt, mal liegt die Konzentration auf der Formgebung, ein anderes Mal auf der Farbwirkung. Dabei wird darauf geachtet, dass nicht nur althergebrachte Techniken wie Malerei und Zeichnung zum Einsatz kommen, sondern der Versuch gestartet auch ein Stück erlebnisorientiert zu arbeiten. So werden beispielsweise Fäden und Schwämme als Malmittel verwendet oder Naturmaterialien als Motivation zum haptischen Erleben. Zusätzlich dienen alle Aktivitäten auch der feinmotorischen Fertigkeit und trainieren die Koordination.

Die entstehenden Bilder werden die Wände der neuen Seniorenbetreuung zieren. Dadurch ergibt sich auch ein symbolischer Charakter des Hervorgebrachten. Die Senioren ziehen quasi mit den Bildern und den positiven Erinnerungen an deren Gestaltung um – die neue Umgebung kann schneller zu einer vertrauten werden. Dies begleitet auch den Prozess der Eigenständigkeit und des Selbstständig-Werdens – schließlich werden im Moment die Räumlichkeiten der Wohnstätte Nobelstraße für die Senioren genutzt.

Gemeinsam wurde beispielsweise über mehrere Kreativstunden eine Collage arrangiert. Diverse Papiere, teils mittels Frottage selbst gestaltet, wurden gerissen, geschoben und auf eine große Leinwand geklebt. Den Feinschliff der Komposition brachte die abschließende Gruppenbesprechung über die Bildwirkung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in diesen Stunden keinesfalls auf naturgetreues Abbilden ankommt – ein häufiger Garant für Frustration und Scheitern bei Hobbykünstlern. Der Mensch ist bis ins hohe Alter lernfähig und wissbegierig – eine These, die in dieser Gruppe absolut bestätigt wird. Den Senioren werden neue Erfahrungen und Zugänge ermöglicht, die sie gerne annehmen. Es wird Freude am Gestalten geweckt und vermittelt, mit der Freiheit der Abstrahierung.

Dieses Projekt hat auch eine besondere Nachhaltigkeit: die Kreativität des bestehenden Personals der Seniorengruppe wird neu geschult. Das Personal erlebt neue Techniken und lernt die Vermittlung dieser.

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